Nothing Ear - EQ als grosse Stärke
Dieser Beitrag ist kein Review zu Design, Funktionalität oder sogar Klang der Nothing Ear (2024), der Fokus liegt bewusst gewählt auf der herausragenden EQ-Funktionalität, welche Nothing der Begleitapplikation Nothing X offeriert.
Nur als kleiner Ausreisser: Die Kopfhörer bestechen insbesondere durch ihr transparentes Design ein solides Case, grundsätzlich fehlerfreie Konnektivität mit soliden wenn auch nicht herausragenden Noise Cancelling und Klang. Bei ca. dem halben Preis im Vergleich zu den marktführenden AirPods Pro hat Nothing insbesondere hinsichtlich Hearthrough- und ANC-Modus etwas das Nachsehen, verfügt über den leicht weniger runden Gesamtklang. Überzeugt aber durch bessere Integration mit Android und Windows sowie der herausragenden parametrischen EQ-Funktion.
EQ-Beispiel eines Targets
Für mein IEM-Graph-Tool arbeite ich an einer verbesserten Version 2025 für das "Flightless Target". Diese Zielfrequenzkurve entspricht weitestgehend meinem aktuell bevorzugten Klangprofil von In-Ear-Kopfhörern. Eine Frequency Response Curve (Frequenzgangkurve auf Deutsch?) visualisiert den Klang von Kopfhörern. Die Kurve weist dabei die jeweilige Lautstärke des Audiogerätes in Frequenzbereichen von 20 Hz bis zu 20'000 Hz. Ganz grob: je höher die Kurve, desto mehr ist in diesem Bereich hörbar, ohne vertieft auf Details wie die Interaktion verschiedener Frequenzbereiche miteinander einzugehen. Tiefe Frequenzen zeigen Bass-Lautstärke, mittlere Frequenzen die "Mitten" mit einer Grosszahl prominenter Instrumente und Gesang, die höheren Frequenzen die "Höhen" welche insb. für Klarheit und Definition der Musik zuständig sind.
Um die Qualität der parametrischen EQ Funktion von Nothing X aufzuzeigen, habe ich versucht den Klang der Ear (2024) so weit wie möglich an mein persönliches Präferenzziel anzunähern. Dafür habe ich die AutoEQ-Funktion der IEM-Graphdatenbank genutzt. Das Tool erzeugt dazu automatisch für einen ausgewählten IEM ein EQ-Profil, welches den Klang des IEM soweit wie möglich an das ausgewählte Target annähert.
Wie man im Graph mit dem Vergleich zwischen Flightless Target 2024 und dem Standard-Sound der Ear (2024) aber bereits sieht, ist das der Klang nicht sehr weit von meiner Präferenz abweicht und out-of-the-box bereits gut klingt.

Da die Nothing Ear (20224) derzeit "nur" acht EQ-Bänder ermöglichen, müssen wir uns in Flightless Graph auch auf diese acht Bänder beschränken und die Grenzwerte konfigurieren, welche Nothing X uns ermöglicht. Das daraus automatisch mit AutoEQ generierte EQ-Profil sieht dann so aus:

Nothing X bietet ebenfalls nicht unbegrenzte Variation in den Anpassungen der Frequenzbereiche und der jeweiligen Lautstärke. Entsprechend habe ich versucht, das EQ-Profil möglichst nahe in den Vorgaben von Nothing umzusetzen. Dazu habe ich schlussendlich folgende Werte verwendet:

Das EQ-Profil könnt ihr euch mit Nothing X durchs Scannen dieses Codes selber installieren und testen:

Ich habe diese Werte verwendet:
Frequenz | Gain / Lautstärke | Q |
---|---|---|
44 | -3 | 0.6 |
199 | 0.5 | 3.7 |
399 | -0.5 | 2.9 |
999 | 0.5 | 7 |
2999 | 2.5 | 2.6 |
4900 | -3.5 | 2.9 |
11000 | 6 | 1.7 |
12000 | 3 | 2.9 |
Fazit
Ob jetzt das von mir verwendete Target den besseren Klang ermöglicht oder nicht beurteilet jeder für sich selber. Das Herausragende ist hier nicht ein spezifisches EQ-Profil oder eine spezifische Klangphilosophie, sondern die Möglichkeit, den Klang der Nothing Ear Kopfhörer zu individualisieren und den eigenen Präferenzen und Vorlieben anzupassen. Eine vergleichbare EQ-Funktionalität ist einer der letzten Bausteine, welcher den AirPods Pro zur Perfektion fehlt.